
Stand: 14. Januar 2026 · Lesedauer: ca. 6–8 Minuten
„Auf welcher verdammten Liste muss ich stehen, damit meine Arbeit überhaupt wahrgenommen wird?“
Viele Künstler:innen stellen sich diese Frage irgendwann – nicht aus Eitelkeit, sondern weil Sichtbarkeit im Kunstfeld oft über Kontext läuft: Stationen, Institutionen, Pressespuren, Verknüpfungen.
Artfacts.net ist eine solche Infrastruktur. Kein Qualitätsurteil – aber ein System, das in Rechercheprozessen wirkt: Wenn Kurator:innen, Galerien, Redaktionen oder Sammler:innen einen Namen prüfen, landen sie nicht selten bei Datenbanken. Dort entscheidet sich in Minuten, ob ein künstlerischer Lebenslauf plausibel, konsistent und auffindbar erscheint.
Unsere Perspektive kommt aus einem konkreten Anlass: 2018, im Umfeld der großen Präsentation von Zygmunt Blazejewski's Rollenbibliothek ANIMA MUNDI im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst München. Wir mussten damals sehr praktisch klären: Wo entsteht internationale Lesbarkeit – jenseits der eigenen Website?
Beispiel-Landingpage (als Referenz, wie ein Profil dort aussieht): Zygmunt Blazejewski auf artfacts.net
1) Wie komme ich auf die Liste?
Der wichtigste Realitätscheck: Für viele Künstler:innen lautet die Aufgabe nicht „rein kommen“, sondern richtig abgebildet werden. Denn ein Eintrag kann existieren, aber fragmentiert sein (Namensvarianten, Dubletten, fehlende Stationen) – und dann wirkt die eigene Praxis kleiner oder „unsauber“.
artfacts.net selbst beschreibt das Claiming (das Beanspruchen des eigenen Profils bzw. Künstler:innen-Namens) als zentralen Schritt: Das Profil wird mit dem eigenen Account verknüpft (z.B. per E-Mail-Adresse), wodurch man Ausstellungsdaten/Details und Artworks leichter verwalten kann; „owning your public profile is free of charge“, so die Artfacts-Kommunikation - d.h. (auch nach unserer Erfahrung), dass man frei den eigenen Namen beanspruchen und besitzen kann - ohne laufende Kosten.
--> BEMERKUNG: Es gibt über den "free-plan" hinaus evtl. für dich notwendige Optionen, die später mit einem entsprechendem Jahresabonnement freigeschaltet werden können/müssen.
Zusätzlich betont artfacts.net, dass ein claimed/beanspruchtes Profil u. a. Artist Statement, biografische Infos, Links, Images von Werken und sogar optional Preise/Contact-Button enthalten kann – also: die eigene Praxis als Datensatz, nicht als Werbetext.
2) Bringt mir das Sichtbarkeit und glaubwürdigen Kontext?
Ja – aber nicht im Sinne von „viral“. Sondern im Sinne von Recherche-Reibung reduzieren. Der Unterschied ist entscheidend: Eine eigene Website ist deine Stimme. Eine Plattform Dritter kann – wenn sie sauber ist – als bestätigender Kontext wirken: „Diese Stationen/Orte/Zeiträume stehen nicht nur auf deiner Seite, sondern sind in einer externen Struktur verknüpft.“
Aus unserer Erfahrung hat genau das auch am Selbstverständnis gearbeitet: Wenn man seine Stationen gebündelt sieht, entsteht nicht nur Vergleich (der liegt in der Natur der Sache), sondern auch Wertschätzung: „Stimmt – das ist alles passiert. Das ist eine Praxis, nicht nur ein Gefühl.“
Dass solche Daten im Feld ernst genommen werden, sieht man u. a. daran, dass größere Marktberichte Ausstellungs- und Messe-Daten aus Artfacts referenzieren (z. B. im Art Basel & UBS Art Market Report).
3) Hilft mir das beim Pricing – ohne dass es meine Kunst „bewertet“?
Das ist eine der unterschätzten Fragen, die Künstler:innen sich (oft heimlich) stellen: „Was ist ein plausibler Preisraum?“ artfacts.net hat in den letzten Jahren analytics-lastige Funktionen ausgebaut – darunter eine Beta-Funktion „Price Orientation“, die laut Artfacts ausdrücklich keine direkte Schätzung von Galeriepreisen sein soll, sondern den Marktwert über Position und Ausstellungshistorie kontextualisiert (als Range).
Das kann – richtig gelesen – hilfreich sein: nicht als Fremdurteil, sondern als Spiegel, welche Signale (Stationen/Netzwerk/Position) typischerweise mit welchen Preisräumen korrelieren. Und es passt zu einem Grundprinzip im Kunstmarkt: Preise entstehen selten „aus dem Bild allein“, sondern aus Kontext, Nachfrage, Vermittlung und Historie.
Ergänzend hat Artfacts eine Datenpartnerschaft mit Artnet kommuniziert (u. a. Artnet Price Database) – mit dem Ziel, Preisvalidierung/Schätzlogik breiter zu machen.
4) Wie finde ich statt – lokal und international (Map/Umfeld)?
Ein weiterer, sehr praktischer Punkt: artfacts.net hat eine „Exhibitions Near Me“-Karte vorgestellt, die aktuelle Ausstellungen lokal sichtbar macht – und sich laut Artfacts auch weltweit verschieben lässt (Reise/Recherche/Netzwerk). Artfacts beschreibt das Feature als frei zugänglich („no subscription required“) und als Tool für lokale wie globale Entdeckung.
Für Künstler:innen ist das nicht nur „Nice to have“. Es ist ein Reality-Scanner: Was passiert in meinem Radius? Wer sind die Orte? Welche Dichte hat die Szene? Wo liegen potenzielle Peers, Räume, Formate? Das hilft bei Orientierung – und bei einer ruhigeren, strategischen Planung (statt blindem Outreach).
5) Wie nutze ich artfacts.net in der Außenkommunikation?
Der Kern ist nicht „verlinken um jeden Preis“, sondern Belegbarkeit & Lesbarkeit. Ein gutes Setup (wenn es zu deiner Praxis passt) bedeutet: Du gibst Außenstehenden eine zweite, unabhängige Ebene, auf der sie Kontext prüfen können – parallel zu Website/Portfolio/Presseseite.
Wichtig dabei: die Paywall-Realität. In manchen Bereichen sind Einsichten an Accounts/Subscriptions gekoppelt. Artfacts bewirbt für paid subscribers mit claimed profiles den Magic Link als Möglichkeit, das Profil zu teilen. In ihrer Beschreibung ist es ein Tool, um das eigene Profil gezielt an potenzielle Clients/Kollaborateur:innen/Kurator:innen zu senden (zugänglich über Dashboard oder Profilseite).
Unser Praxisprinzip: Magic Link (wenn genutzt) gehört in den direkten Kommunikationsaustausch, nicht in den öffentlichen Blog. Öffentlich reicht oft ein normaler Profil-Link als „zweite Referenzspur“ – ohne Druck, ohne Verkaufsgefühl.
Eine Checkliste, fertig
- Finden: Gibt es bereits ein Profil? (Name/Ort/Schreibweise prüfen)
- Klären: Dubletten oder Namensvarianten identifizieren
- Claimen: Profil claimen, um es verwalten zu können (Statement, Links, Basisdaten)
- Kontext: Ausstellungen/Stationen nur ergänzen, wenn belegbar (Qualität vor Masse)
- Pricing (optional): Price Orientation als Orientierung lesen – nicht als Urteil
- Outreach (optional): Magic Link nur 1:1 nutzen, wenn dein Gegenüber keinen Acoount besitzt
- Rhythmus: Vorschlag Minimum 1× pro Jahr Review (Konsistenz halten) und natürlich vor aktuellen Ausstellungen und Events (Wenn der Traffic und die Nachfrage nach deiner Kunst und dir als Künstler:in am Höchsten ist).
Zum Schluss: Mehr Wissen, weniger Nebel
Warum - als Künstler bzw. auf unserer Kunstseite - so einen Artikel? Deshalb: Wir glauben, dass Künstler:innen sich gegenseitig stärker „infrastrukturfähig“ machen sollten: Begriffe, Prozesse, Tools, typische Fehler – nicht als Geheimwissen, sondern als Kollegialität. Das nimmt Druck, spart Zeit und stärkt am Ende die Arbeit und die Zunft selbst. :)
Wenn du Ergänzungen oder Korrekturen hast: Schreib uns. Wir behandeln diesen Beitrag als Service-Text, der durch Austausch besser wird. Teile auch gerne deine persönlichen Erfahrungen mit uns. Wir sind neugierig und offen für andere Blickwinkel.
In diesem Sinne - dir, euch und uns allen nur das Beste & danke für das Interesse!
Lorris Andre Blazejewski
ZB Fine Art Editions
PS: Checkt auch bitte mal die LIMNA-App (steht mit Artfacts.net in Verbindung und funktioniert als Schnellrecherche-Tool auf dem Handy -> Künstler:innen, Hintergründe, Preiseinschätzungen usw.)
Beispiel-Landingpage (artfacts.net): Zygmunt Blazejewski auf artfacts.net
Transparenz
Dieser Beitrag ist keine Werbung und keine bezahlte Kooperation. Es gab keine Zahlung, keine Sachleistungen und keinen Tausch im Zusammenhang mit diesem Artikel. Wir sind nicht mit artfacts.net verbunden und sprechen nicht im Namen von artfacts.net. Der Text ist eine praktische Orientierung aus unserer Erfahrung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; Funktionen/Preise/Prozesse können sich ändern.