König Ludwig II. – Glasbrunnen
Glasinstallation aus Wasser, Licht und Erinnerung
Der König-Ludwig-II.-Glasbrunnen ist eine großformatige Glasinstallation von Zygmunt Blazejewski, realisiert im Foyer des Festspielhauses in Füssen. Das Werk entstand im Zusammenhang mit dem Musiktheater über König Ludwig II. und ist als dauerhafte, ortsspezifische Skulptur angelegt.
Der Brunnen verbindet Glas, Wasser, Edelstahl und Raumlicht zu einem Bildkörper, der zugleich skulpturales Objekt, architektonisches Element und poetische Metapher ist – ein Nachdenken über die fragile Figur Ludwigs II. zwischen innerer Vision und äußerem Druck.
Header: Schauspielerin Anne-Catrin Wahls vor dem Glasbrunnen im Foyer des Fespielhauses Füssen (2025) mit freundlicher Genehmigung | Eindrücke aus der Bauphase und nach der Eröffnung (1999/2000)
Konzept
Im Zentrum des Brunnens steht die Figur König Ludwig II. als spannungsreiche Gestalt: ein Mensch, der sich der Musik, der Landschaft, den Bildern und der Imagination zuwendet – und gleichzeitig in die strengen Bedingungen von Macht, Hof und Geschichte eingebunden ist.
Blazejewski übersetzt diese Spannung in Material, Gewicht und Transparenz:
- Ein tiefblauer Glaskörper bildet das innere Zentrum des Brunnens – Sinnbild für die verletzliche, visionäre Innenwelt des Königs.
- Um diesen Kern gruppieren sich mehrere schräg gestellte Glasplatten, die von einer kraftvollen Edelstahlkonstruktion getragen werden.
- Wasser, das über die Glasflächen läuft, verbindet die Elemente zu einem lebendigen Organismus aus Bewegung, Spiegelung und Klang.
Die schweren Glaskörper bleiben ungerahmt. Dadurch wird die Verletzlichkeit des Materials betont: kein schützender Rahmen, kein Gehäuse, sondern direkte Konfrontation mit Schwerkraft, Licht und Blicken. Die Skulptur wird so zur räumlichen Metapher für einen Menschen, dessen innere Welt ungeschützt den Kräften seiner Zeit ausgesetzt ist.
Kontext
Der Glasbrunnen befindet sich im Festspielhaus Füssen, dessen Architektur Blickachsen auf Schloss Neuschwanstein und die Landschaft rund um den Forggensee öffnet. Das Theater versteht sich als zeitgenössische Antwort auf jene architektonischen Visionen, die zu Lebzeiten Ludwigs II. zum Teil nur als Entwürfe existierten.
Der Brunnen ist genau in dieses Spannungsfeld gesetzt:
- Er empfängt Besucher:innen beim Betreten des Hauses und markiert den Übergang von der äußeren Welt in den Bereich der Erzählung.
- Er reagiert auf das Licht des Tages, auf Jahreszeiten und Bewegungen im Raum – die Skulptur ist kein statisches Denkmal, sondern ein wechselnder Spiegel der Umgebung.
- Im Kontext des Musiktheaters wird der Brunnen zum Prep-Raum für Wahrnehmung: Bevor die Geschichte auf der Bühne beginnt, inszeniert er bereits die Themen von Sehnsucht, Überforderung, Schönheit und Bruch.
Innerhalb des Œuvres von Zygmunt Blazejewski bildet der Ludwig-II.-Brunnen einen Gegenpol zur Rollenbibliothek Anima Mundi: Während RAM als horizontale Bibliothek des Bildgedächtnisses funktioniert, tritt der Brunnen als vertikale, raumgreifende Gestalt auf – eine einzelne, konzentrierte „Figur“ im Raum.
Prozess
Die Planung und Realisierung des Brunnens umfasste eine intensive Phase künstlerischer und technischer Entwicklung:
- Entwurfsskizzen, Farbproben und Materialtests legten die Bildidee im Glas fest.
- In Zusammenarbeit mit Spezialbetrieben für Glasbau und Metallkonstruktion entstand eine tragende Struktur, die die massiven Glasteile in geneigter Position hält.
- Die Integration des Wassersystems – Zuflüsse, Überläufe, Becken – wurde so gestaltet, dass das Wasser zugleich zeichnend, spiegelnd und klanglich wirkt, ohne das Glas zu dominieren.
Der Brunnen ist Ergebnis eines Prozesses, in dem bildnerische Entscheidungen und ingenieurtechnische Lösungen untrennbar ineinandergreifen. Wie in den Rollenbildern von RAM bleibt auch hier der Prozess spürbar: in den Kanten, in den Flächen, in den Spuren des Wassers auf dem Glas.
Ausstellungen (Auswahl)
- Festspielhaus Füssen (ehem. Ludwig-Musical-Theater), Dauerinstallation seit 2000
Referenzen
"Die vier Glasscheiben sind dem Künstler Symbol für die materielle Seite des Königs, und die drei Zwischenräume, vom unbedarften Betrachter schlicht als Luft übersehen, versteht er als die unsichtbare
kos-misch-geistige Seite des Monarchen"
Peter Schmalz, DIE WELT (2000)
Infos
Planung und Realisierung um das Jahr 2000 im Zusammenhang mit dem Bau und der Eröffnung des Festspielhauses Füssen.
Großformatige Glasinstallation mit Wasserlauf, Edelstahlkonstruktion und Beton-Becken; Licht und Spiegelung als integrale Bestandteile des Werkes.
Mehrteilige Brunnenskulptur aus geneigten Glasplatten und zentralem Glaskörper, verankert in einer raumgreifenden Edelstahlstruktur im Foyer des Festspielhauses.
König Ludwig II., Spannung zwischen innerer Vision und äußerem Zwang, Zerbrechlichkeit, Transparenz, Wasser und Licht als Träger von Erinnerung, Beziehung zwischen Skulptur, Architektur und Landschaft.
Erwerbbarkeit
Installation nicht verkäuflich – Variationen auf Anfrage
Der Brunnen ist als feste, ortsgebundene Arbeit konzipiert und von Beginn an integraler Bestandteil des Hauses.
Fine Art Editions
Im Moment nicht vorhanden. Wir nehmen - bei besonderem Interesse - gerne Wünsche entgegen.
Extras
Amarell über das Musical, Ira Blazejewska als erwähnte Darstellerin und die Erwähnung des Brunnens in einem Sonderprospekt.