Im Zentrum steht die Transformation alltäglicher Gebrauchsgegenstände – Dinge, die den Künstler über Jahre begleitet und teilweise belastet haben. Sie werden gesammelt, geordnet, vergoldet und in eine Installation überführt, bevor er sich endgültig von ihnen trennt.
Kern der Arbeit ist die Verwandlung des Banalen: Werkzeuge, Geräte, Objekte aus Haushalt und Beruf werden aus ihrem ursprünglichen Nutzungszusammenhang gelöst.
- Durch eine „Veredelung“ mit Goldfarbe werden sie ins Licht gerückt – nicht als Luxusobjekte, sondern als Zeugen gelebter Zeit.
- Die einstige Funktion der Dinge wird bewusstgemacht: Ob sie das Leben erleichtert oder erschwert haben – sie werden als Material gewordene Erfahrung sichtbar.
Der goldene Überzug markiert einen Akt der Dankbarkeit und des Abschieds: Die Gegenstände erhalten ein letztes Strahlen, bevor sie weitergegeben oder entsorgt werden. In der Eröffnungsrede zur Ausstellung „ZEITRÄUME“ beschreibt Dr. Roland Held, wie Blazejewski sich von einem „Berg von Objekten“ verabschiedet, indem er sie mit Goldbronze adelt und daraus eine Installation mit dem Titel „Thanks to Material“ entwickelt.
Die Installation bewegt sich damit zwischen Trauerarbeit, Humor und Ironie: Ein vergoldetes „Hamsterrad“ etwa wird zur Mahnung, die eigenen Lebens- und Arbeitsräume nicht ausschließlich mit Wiederholungen und Überforderung zu füllen.
„Thanks to Material“ ist eng mit dem Atelier DNAfruit in Darmstadt verbunden, das über Jahre Arbeits- und Ausstellungsort Blazejewskis war. Die Installation fand dort ihren Höhepunkt als raumgreifende Anordnung von vergoldeten Alltagsobjekten – ein temporäres, begehbares Lager von Erinnerung und Material.
Die Arbeit steht zugleich in einer Linie mit anderen Werkkomplexen:
- mit DNAfruit, wo serielle Module und Fundstücke zu einem persönlichen „Code“ verdichtet werden,
- mit der Rollenbibliothek ANIMA MUNDI, in der Erinnerung und Zeit in Farbschichten organisiert sind,
- und mit dem späteren Europabild, das historische Spuren und Verletzungen in Flagschichten übersetzt.
Im Ausstellungsprojekt „EXPERIMENT – KONTROLLIERTE ENTGLEISUNG“ (artLAB / HUB31, Darmstadt, 2022) kehrt „Thanks to Material“ in einer neuen Form zurück: als fotografische Arbeit auf Alu-Dibond unter dem Titel „THANKS TO MATERIAL – UND BLAUER PLANET“. Hier wird die ursprüngliche Installation selbst zum Bildmaterial – eine weitere Transformation des Materials in den Bildraum.
Die Entstehung von „Thanks to Material“ folgt einem mehrstufigen, sehr persönlichen Prozess:
- Sammlung
Über Jahre gesammelte Gebrauchsgegenstände – aus Alltag, Atelier, Beruf – werden zu einem Konvolut verdichtet. Viele tragen biografische Lasten und Geschichten.
- Selektion & Komposition
Die Objekte werden ausgewählt, gruppiert und zu einer Installation komponiert. Reihen, Stapel, Hängungen und Raumachsen strukturieren das Bild im Raum.
- Vergoldung
Mittels Goldfarbe bzw. Goldbronze werden die Dinge überzogen – als Akt der Verwandlung, der Trost und Distanz zugleich schafft. Die Geste ist ernst und ironisch: Das „Material“ wird gefeiert und verabschiedet.
- Temporäre Installation & Auflösung
Die Installation ist bewusst nicht dauerhaft angelegt. Nach der Ausstellung – und nach dem fotografischen Festhalten – löst der Künstler die Anordnung wieder auf und trennt sich von vielen der Objekte. Das Werk unterstreicht damit die Vergänglichkeit materieller Besitzstände und die Möglichkeit, biografische Last in eine künstlerische Form zu überführen.
Darmstädter Echo (2014)
„THANKS TO MATERIAL“
Rezension der gleichnamigen Installation von Zygmunt Blazejewski in Darmstadt. Beschrieben wird, wie ein „Berg“ alltäglicher, teils biografisch aufgeladener Gegenstände vor ihrer Entsorgung mit Goldbronze überzogen und zu einer dichten skulpturalen Anordnung gefügt wird – als Bild für Erinnerungs- und Trauerarbeit und für unseren Umgang mit Dingen und gelebter Zeit.
Dr. Roland Held – Eröffnungsrede „ZEITRÄUME – Arbeiten …“ (2013)
In seiner Laudatio charakterisiert der Kunstkritiker Roland Held Blazejewskis Installationspraxis als Form der Erinnerungs- und Trauerarbeit. Er beschreibt ein laufendes Projekt, bei dem der Künstler über Jahre gesammelte Objekte mit Goldbronze „adelt“ und daraus eine neue Installation entwickeln wird – für die der Titel „Thanks to material“ bereits feststeht. Damit markiert die Rede den konzeptuellen Auftakt zur späteren gleichnamigen Arbeit.
Verfügbarkeit in Klärung – bitte anfragen
Die Installation ist sehr fluide und es bedarf bei Kauf- sowie Ausstell-Interesse einer ausführlichen Besprechung & Planung.
Im Moment nicht vorhanden. Wir nehmen - bei besonderem Interesse - gerne Wünsche entgegen.