Ein künstlerisches Selbstporträt im Video
Er hat sich selbst diese Frage gestellt – und daraus ist das künstlerische Video entstanden, das diesem Beitrag zugrunde liegt. Facettenreich und tiefgehend öffnet es ein Fenster zu einer individuellen Biografie, ohne sie abschließend festzuschreiben.
Vielleicht entstehen beim Anschauen neue Fragen – sicher aber ein eigener Eindruck: Zygmunt Blazejewski als prozessbewusster Mensch, der seine Gedanken und Gefühle konsequent in seine Kunst einfließen lässt.
Das Video ist ein früheres Werk. Doch als Selbstbefragung bleibt es aktuell: Es zeigt den Künstler nicht als fertige Figur, sondern als jemanden, der im Werden ist – genau das, was seine Kunst bis heute ausmacht.
Kurzporträt
Zygmunt Blazejewski wurde 1953 in München geboren und lebt seit den 1980er-Jahren als Bildender Künstler im Rhein-Main-Gebiet; lange Zeit arbeitete er in Darmstadt.
Wichtige Stationen:
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Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation – sein Werk ist medienübergreifend, aber immer stark auf Farbe, Struktur und Rhythmus fokussiert.
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2001 wurde er in der Heussenstamm-Stiftung Frankfurt mit dem Frankfurter Kulturpreis ausgezeichnet; Kurator Dr. Elmar Zorn ordnete ihn in die „Riege der großen Künstler“ ein.
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Er war über viele Jahre im BBK Darmstadt aktiv, u. a. als Vorstandsmitglied und Mitinitiator des Künstlerrats Darmstadt.
Heute – im Kontext von Zygmunt Blazejewski Fine Art Editions – wird dieses Lebenswerk in Form von kuratierter Dokumentation und Fine Art Editions zugänglich gemacht: als Archiv, als Angebot, als Einladung.
Zentrale Werklinien
Ein Schwerpunkt seines Œuvres ist die Rollenbibliothek ANIMA MUNDI – ein aus 210 Rollenbildern bestehendes Werk, das sich als „Bibliothek der Bilder“ und als Metapher der Weltseele versteht. Die Bilder entstanden vor allem in den 1990er-Jahren und wurden 2018 in einer großen Werkschau im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst München in voller Größe präsentiert.
ANIMA MUNDI ist Lebenswerk und Denkfigur zugleich: ein visuelles Archiv kollektiven Bewusstseins – und ein Schlüssel, um Blazejewskis Kunst zu lesen.
Atelier DNAfruit & Werkreihe DNAfruit
Über viele Jahre war das Atelier DNAfruit in Darmstadt sein Arbeits- und Ausstellungsraum. Unter demselben Namen entstand eine Werkreihe, in der Schichten, Fragmente, Drucke und Collagen zu einem persönlichen „Code“ verdichtet werden – ein Bild für das Potenzial des Menschen in einer von Medien geprägten Welt.
DNAfruit taucht bis heute als Begriff für die innere „DNA“ seines Werks auf.
EU – Europabild 2020/2021
Während der Pandemie entstand das großformatige EU – Europabild 2020/2021: rund 7 × 2,6 Meter, mit 27 sogenannten „DEEP FLAGS“ der EU-Mitgliedsstaaten und einer bewussten Leerstelle für den Brexit. Das Werk ist seit 2022 im Foyer des H31 / HUB31 in Darmstadt öffentlich zugänglich und verbindet Frieden, Risse und Zukunftsfragen Europas in einem Bildraum.
Mit Thanks to Material wendet sich Blazejewski dem Alltäglichen zu: gesammelte Gebrauchsgegenstände werden vergoldet, geordnet und als Installation inszeniert – eine Mischung aus Abschied, Dankbarkeit und Transformation. Die Reihe fand ihren Höhepunkt in einer groß angelegten Installation im Atelier DNAfruit und kehrte später in fotografischer Form („Thanks to Material – und Blauer Planet“) in Ausstellungsprojekte zurück.
Ein weiteres Hauptwerk ist der König-Ludwig-II.-Brunnen im Festspielhaus Füssen: die größte gläserne Brunnenskulptur der Welt. Sie wurde anlässlich des Baus des Ludwig-Musical-Theaters in Auftrag gegeben; Entwurf und Umsetzung stammen von Zygmunt Blazejewski, die Einweihung fand im April 2000 statt.
Künstlerische Haltung
Was verbindet all diese sehr unterschiedlichen Formen – Rollenbibliothek, Glasbrunnen, Laminagen, Installationen?
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Der Blick auf Erinnerung und Zeit: Bilder als Speicher, als Schichten, als Spuren.
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Ein tiefes Vertrauen in die Sprache der Farbe – nicht als Dekoration, sondern als Trägerin von Erfahrung.
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Die Idee von Kunst als bewusstem Tun, als Tätigkeit, in der jemand Verantwortung für seinen inneren Code übernimmt.
Im Video „Wer ist Zygmunt Blazejewski?“ wird diese Haltung spürbar:
Ein Mensch, der sich nicht über einzelne Erfolge oder Etiketten definiert, sondern über sein beständiges Arbeiten, über das Fragen, Sortieren, Verdichten. Kunst ist hier kein Produkt, sondern eine Form, mit der Welt umzugehen – und mit sich selbst.
Warum dieses Video heute (noch) an erster Stelle steht
Auch wenn das Video bereits einige Jahre alt ist, eignet es sich hervorragend als Einstieg:
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Es zeigt den Künstler in einer unmittelbaren, persönlichen Form, jenseits offizieller Laudationes.
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Es öffnet ein Fenster zu der inneren Bewegung, aus der Werke wie ANIMA MUNDI, DNAfruit, Europabild, Thanks to Material oder der Ludwig-II.-Brunnen entstanden sind.
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Und es macht deutlich, dass jede biografische Antwort immer auch vorläufig ist – ein Zwischenstand in einem langen Prozess.
In diesem Sinne versteht sich dieser Beitrag als Einladung:
Das Video anzuschauen, das Werk in seinen unterschiedlichen Facetten zu entdecken – und sich ein eigenes Bild von Zygmunt Blazejewski zu machen.