HE SHE IT | David Czupryn in der Kunsthalle Darmstadt

Am 27. Oktober 2018 wurde HE SHE IT, die erste institutionelle Einzelausstellung des jungen und aufstrebenden duisburger Künstlers David Czupryn, in der Kunsthalle Darmstadt eröffnet.

David Czupryn Kunsthalle Darmstadt Lorris Andre Blazejewski
Lorris Andre Blazejewski, David Czupryn

Tief unter die Oberfläche

Direktor Léon Krempel äußerte sich sichtlich erfreut über die gelungene Ausstellung des in Düsselsdorf arbeitenden und lebenden Künstlers. Bei einer gut besuchten Vernissage beschrieb er David Czupryn als „DEN Maler des Plastikzeitalters“, durch den „das Trompe-l’Œil, die aus der Malerei seit jeher bekannte Kunst der Augentäuschung, ein unerwartetes Comeback feiern darf“. Ob Marmor, Stein, Kunststoffe oder verschiedene Arten von Holz – Czupryn gelingt es mit einer erstaunlichen Plastizität „alltägliche“ Materialien malerisch täuschend echt darzustellen. Blickt man auf die Gemälde unterschiedlichster Formate, wird man regelrecht in Bann gezogen und kann zwischen den abstrakten Formen immer wieder einzelne „Zitate“ erkennen. Mal aus der Beziehung einzelner geometrischer Objekte hervorstechend (Frauenkörper, Menschliche Wesen), mal exakte Abbildungen dezent integriert in das Gesamtbild (z.B. Gesicht des Künstlers Basquiat als Hintergrund einer tickenden Uhr). Immer wieder durchbricht die eigene Wahrnehmung die Darstellung der Oberflächen (oder ist es andersrum?) und man sieht sich konfrontiert mit intensiven Gefühlen von Liebe und auch dunkler Energie. Ein Abbild der Ambivalenz von Licht und Dunkelheit in jedem von uns.

Doch damit nicht genug: Je länger man ein Bild betrachtet, um so mehr lebendige Situationen eröffnen sich und vermitteln einem gar das Gefühl von bewegtem Bild. Szenen von Familie, Liebe, Streit, gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, arm und reich, Städten und konzentrierten Blicken in die heiligen vier Wände, die jeder von uns kennt und mit denen wir uns identifizieren. Die Arbeit an der Oberfläche ist vielmehr eine Arbeit aus der tiefsten Tiefe heraus. Das ist spannend, bisweilen durchaus verstörend, nicht gefällig und birgt meiner Meinung nach gerade deshalb die Möglichkeit für eine heilende Auseinandersetzung mit den tiefsten Prozessen in uns.

Diese Kunst führt einen durch ihre feine Beobachtung zwangsläufig zu den aktuellen politischen Themen unserer Zeit und scheinbares Chaos weicht nach und nach einer wohldurchdachten und punktgenauen Ordnung.

Abb. nach David Czupryn, HE, SHE, IT, 2017, © David Czupryn

Er, Sie, Es

Der Titel der Ausstellung ist passend gewählt: Die Wechselbeziehung der Geschlechter, der Kampf, die Vereinigung, Agression, Liebe, Sexualität, Leben, Tod  – die gedanklichen Welten, die bei der Betrachtung entstehen können, sind gewaltig. Auf eindeutige Art und Weise, aber auch versteckt und subtil. Eine Projektionsfläche, die die Betrachter nicht unberührt lässt.

Interpretiere ich nun experimentierfreudig „It“ als „Es“ und setze es in Bezug zu dem „Unbewussten“ oder „Unterbewussten“ aus der Psychoanalyse, beginnt abermals eine kontroverse Auseinandersetzung mit der tieferen Bedeutung der Gemälde  – ähnlich wie um diese Begriffe selbst.  Die Bilder hegen für mich nicht den Anspruch richtig oder falsch zu sein, aber strahlen defintiv den Mut aus, ans „Eingemachte“ gehen zu wollen. Vielleicht ist diese erste Assoziation zu naheliegend, zu oberflächlich von meiner Seite, aber womöglich animiert es Sie als Leser*innen dazu, sich selbst ein Bild zu machen und noch viel weiter in die Tiefe vorzudringen.

Abb. nach David Czupryn, soul full of poison, 2016, © David Czupryn

Ein Künstler, der was zu sagen hat, an einem Ort, der bereit ist, die Bühne dafür zu geben

Ich hatte die Möglichkeit, David Czupryn an diesem Abend besser kennenzulernen und freue mich, dass hinter dieser eindrucksvollen Künstlerischen Arbeit ein Mensch mit starker Haltung und einem klaren und bewussten Blick für seine Umwelt steht. Die Darmstädter Kunsthalle hat einem einzigartigen und ausdrucksstarken Künstler den verdienten Raum gegeben, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Es ist meine subjektive Meinung, aber ich wiederhole Léon Krempels Worte nur allzugerne: Eine wirklich gelungene Ausstellung!

Noch bis zum 6.1.2019 haben Sie die Möglichkeit, die Werke David Czupryns in den Austellungsräumen der Kunsthalle Darmstadt zu betrachten. Weitere Informationen über den Künstler und seine Arbeit, sowie zu weiteren öffentlichen Präsentationen finden Sie auf www.artuner.com.

Aus Liebe zur Kunst

Lorris Andre Blazejewski

Klaus Mosettig „Handwriting“ in der Kunsthalle Darmstadt

Kunsthalle Darmstadt | Mosettig | Handwriting

Man ist geneigt, an einem zentralen Ort der Kunst in Darmstadt vorbeizufahren. Auf dem Weg zwischen Luisenplatz, und den Zielen Hauptbahnhof oder A5, rauscht man oft gehetzt oder zügig auf der Rheinstraße an einer großen Scheibenfront entlang. Selten zwingt einen die hiesige Ampelphase kurz innezuhalten. Schaut man dann in einem glücklichen Moment zur Seite, stehen da Reste einer Fassade im Verhältnis zu dem dahinter liegenden Neubau aus den 50er Jahren im Fokus. Dort, inselgleich, links und rechts gesäumt von Straßen, erzählen die Worte „Kunsthalle“  von Tradition und Schicksal – und künstlerischem Selbstverständnis der Jugendstil-Stadt. 

Alles hinterlässt seine Spuren.

Am Sonntag den 7.10.2018 ist das Wetter wunderschön und die Sonne strahlt herbstlich-golden, während wir endlich die Entscheidung treffen, nicht mehr vorbeizufahren, sondern bewusst einzutreten – zu einer Finissage im Herbst. Denn wie es der Zufall will, kommen wir genau pünktlich zur Beendigung einer einmonatigen Ausstellung des österreichischen Künstlers Klaus Mosettig: Der Künstler höchstpersönlich im Gespräch mit Kunsthallen-Direktor Dr. León Krempel über „Handwriting (Leros)“.

Der von Tageslicht erhellte Haupt-Ausstellungsraum ist bereits gefüllt von Gästen, die dem Protagonisten und dem Interviewer aufmerksam zuhören. Im Hintergrund befinden sich Gemälde in grau-weiß. Hochformat, Querformat, quadratisch, alle fein umrahmt von Holz oder Eisen. Abstrakt, scheinbar einer unbekannten Struktur folgend, zeigen sich zuerst Muster und Formen, hell und dunkel. Bei Genauerem Hinsehen offenbart sich eine Schraffur aus verschiedenen Bleichstift-Härtegraden – selbst die „weißen“ Stellen sind schraffiert. Aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, erkennt man die leichten „Verletzungen“ auf dem Büttenpapier, die dem Bild eine besondere Oberflächenstruktur verleihen. Manchmal strahlen die Gemälde sogar farblich in blau, grün und gelb – je nachdem, wie sich das Licht in den einzelnen Werken bricht und wir uns diese anschauen.

Während des Vortrags und der gleichzeitgen Betrachtung verändert sich das Verhältnis zu den Bildern: Wir erfahren die Geschichte eines Transit-Lagers Syrischer Geflüchteter auf der griechischen Insel Leros und deren in Holz geritzten Zeichnungen. Wir sehen Details aus Kinderzeichnungen der Tochter des Künstlers oder hören von „Fusseln“ auf Dia-Projektoren, die die Welt bedeuten. Alltägliches, ganz gleich in welcher Art aufgeladen, bekommt seine Bedeutung, setzt man es in einen konkreten Kontext. 

Und plötzlich scheinen die Schraffierungen an der Wand zwar einen mikroskopischen und akribischen Blick auf die kleinsten Kleinigkeiten zu legen, jedoch im selben Atemzug großes zu bedeuten. Die notwendige Konzentration und Zeit, die der Künstler diesen kleinsten Ausschnitten geschenkt haben muss – und jedem noch so winzigem ausgearbeitenden Detail – übeträgt verdichtet ein Zeit-Gefühl für ganz reale Räume und Lebenssituationen. Transit-Zonen, einzelne Entwicklungsschritte in dem Leben eines jungen Menschen oder die Abnutzung und der Gebrauch von Arbeitsmitteln. – Alles hinterlässt seine Spuren und birgt in sich ein ganzes Universum.

Die nächsten Programmpunkte in der Kunsthalle Darmstadt fügen sich nahtlos an und arbeiten daran, das gesellschaftliche Bewusstsein zu schärfen:

Vom 19.10.18 bis 21.10.18
Flucht bewegt Kunst
Ein künstlerisches Projekt mit Sand- und Street-Art

Am 27.10.18
Vernissage der Ausstellung „HE SHE IT“ von David Czupryns.

In David Czupryns Arbeiten feiert das Trompe-l’Œil, die aus der Malerei seit jeher bekannte Kunst der Augentäuschung, ein unerwartetes Comeback. mehr

Für mehr Information: kunsthalle-darmstadt.de

Lorris Andre Blazejewski. Oktober 2018.


Artweek Berlin 2018

Die diesjährige Art Fair Berlin fand in den Hangars des ehemaligen Tempelhofer Flughafen statt. Zwei Hallen voller Kunstwerke unterschiedlichster Art. Hauptsächlich deutsche Galerien stellten ihre internationalen Künstlerinnen und Künstler vor, nebst einigen Galerien aus dem Ausland (z.B Miami oder Österreich). Die geballte Energie von vielen Menschen und starken künstlerischen Werken, hinterlässt nachhaltigen Eindruck: Kunstwerke haben stets eine Seele – und diese ist spürbar, wenn man vor ihnen steht und sich mit einem offen Geist auf sie einlässt. Sie können geben, aber auch nehmen – deswegen ist es wichtig, sich Zeit zu lassen, wenn man sich entscheidet, eines der Werke in sein Eigenheim zu lassen. Es ist eine Wechselwirkung zwischen dem Werk und den Augen des Betrachters. Der Energie-Austausch ist es, der diese Beziehung so lebendig werden lässt. 

Anziehung zwischen Reizüberflutung

Der erste Schritt in die Hallen, ist erfüllt von einer Explosion an Wahrnehmungen und Reizen: Menschen, Lautstärke, Farben, Formen, Stress und Entspannung, Erwartung, Hoffnung, Achtung, Missachtung und vieles mehr  – alles ist in der ersten Sekunde spürbar. Und doch wage ich es, durch die Pforte zu gehen, um mich von meinen Impulsen leiten zu lassen. Zuerst nach rechts. Wie sind die Stände aufgestellt? Einzelne Parzellen, ausgestattet mit weißen Wänden und Tageslicht-Scheinwerfen, die versuchen, ihre Künstlerinnen und Künstler in das rechte Licht zu rücken. Eine Herausforderung, da dieser Ort aufgrund seines Überangebotes auf den ersten Blick so gar nicht den Raum zu lassen scheint, ein Ort der Kunst zu sein. Paradox. Lässt man sich jedoch auf seine eigene Intuition ein, entsteht an manchen Stellen des eigenen Schrittes eine Konzentration. Die ersten Werke, die mich in ihren Bann ziehen und deren Ruf ich folgen möchte, sind die eines Künstlers aus der Steiermark: Christian Eisenberger.

Christian Eisenberger

Kletten, zusammengefügt zu einer tierisch-menschlich anmutenden Figur. Von der Decke hängend und im Kontrast stehend zu einem schwarz-weißen Gemälde, dass an die Vogelperspektive auf eine orientalische Stadt erinnert.   Paketband, in mehreren Schichten übereinander geklebt. Der Kontrast des Menschen zwischen seiner dunklen und hellen Seite. Eine düstere und positive Ausstrahlung zugleich. In jedem Fall energetisch aufgeladen durch einen passionierten Künstler, der allem Anschein nach, Kunst aus der alltäglichen Konfrontation seiner Umgebung machen MUSS. Ein Mann, dem die Kunst durch das Elternhaus zuerst versagt wurde, um etwas „Anständiges“ auf dem Hofe auszuüben. Ein Mann, der sie trotzdem gemacht hat und es immer noch tut. Die Werke versprühen etwas „Unbedingtes“ – rigoros, zerstörerisch und Zartes, Schaffendes zugleich. Der Name „Eisenberger“ passt, wenn man ihn wortwörtlich betrachtet, sehr genau zu den Exponaten – meinem Empfinden nach. (Natürlich sind die ausgestellten Werke nur eine Facette des Künstlers – auf der Website finden sich Farben und Formen aller Art – auf jeden Fall einen Blick wert.)

Farben, noch verschlossen und schon offen

Nach einem angeregten Gespräch mit den Vertretern der Galerie Martinetz, führt mich mein Weg weiter. Dieses Mal schneller und mit dem Blick für hellere Farben. Werke von Peter Krauskopf (hell, strahlend), Jan Voss (unglaublich jugendlich), Günther Uecker ( schwarz-weiß, aber großzügig und frei), sowie Jörn Stoya (wahrlich leuchtende Farben und jung und kraftvoll) und Jugoslav Mitevski (ganz klar) – nur um einige Namen zu nennen. Aus der Betrachtung der Werke entstehen Gespräche, die offener und verschlossener Art sind – ebenso bunt und vielseitig wie die Kunst selbst. Aber an dieser Stelle möchte ich lieber die Gemälde selbst sprechen lassen – denn sie sind der Mittelpunkt und manchmal ist es ein Glück, sie unabhängig von eigenen oder fremden Erwartungen und Konventionen zu betrachten.

Die Sehnsucht nach der persönlichen Begegnung 

Vielleicht kann man den einzelnen Werken auf solch einer großen Messe gar nicht gerecht werden – doch ist die Präsentation wichtig für das Geschäft und demnach auch für die Existenzgrundlage derer, die von der Kunst leben. Alle eingeschlossen. Das ist in Ordnung. Dennoch bleibt in mir der Wunsch, manchen Arbeiten noch einmal persönlich zu begegnen. In Ruhe, in unangestrengter Aufmerksamkeit. Wenn ich so darüber nachdenke, entsteht sogar eine Vorfreude, auf diesen Moment. Kunst ist etwas sehr Intensives, etwas, wofür die Erschaffer immer etwas von ihrem Leben geben (wahrscheinlich ist demnach doch jeder Mensch ein Künstler) – das verdient Respekt. Wann ich diesen in einem persönlichen Moment zeigen darf, ist noch ungewiss – was bleibt oder geweckt wurde, ist die Sehnsucht. Und das ist schön.

Lorris Andre Blazejewski

David Renggli „Mulholland Melody“ | oder die „Magie des Zufalls“

Es gibt Tage, die sind von einer ganz besonderen magischen Kraft erfüllt. Vom ersten Gedanken über die alltäglichen Rituale, bis zu den Menschen, die uns begegnen und den Dingen, die wir tun. Die Tage vom 3. bis zum 4. November 2017  besaßen für mich eine solche Magie. – Und das Bindeglied, der rote Faden, war die Kunst des David Renggli. „David Renggli „Mulholland Melody“ | oder die „Magie des Zufalls““ weiterlesen

Esther Saggel | Der Schleim – immer in Bewegung!

Die Künstlerin hinter unserem DNAfruit-Logo, hat einen Namen:
Esther Saggel. Um ihr ein Gesicht zu geben UND um ihre Kunst auf unserer Seite wertzuschätzen, spielt sie in diesem Beitrag die Hauptrolle. Sie ist eine Frau, die sich bewusst nach ihrem Abitur dafür entschied, ein Studium der gesellschaftlichen Zusammenhänge zu wählen: Soziologie. Der Wunsch nach der eigenen Kreativität führte sie schließlich weiter zu einem Studium der Gestaltung an der Mathildenhöhe in Darmstadt. Seit 2016 pendelt sie zwischen Berlin und Frakfurt am Main.

Die Verbindung

Uns verbindet eine gemeinsame Geschichte, da Esther auf die selbe Schule wie Ariane Pucher und Lorris Andre Blazejewski ging. Zusammen blicken wir sogar auf eine Theaterinszenierung von Cornelia Hargesheimer namens „Die Kinder von Girouan“ zurück. Bereits damals bereicherte sie gemeinsame Unternehmungen mit ihrem kreativen Geist und einer starken sozialen Haltung. Um so mehr freuen wir uns, dass sich die Wege nach all den Jahren wieder kreuzen und wir zusammen für DNAfruit Management gestalterisch und grafisch eine Basis entwickeln durften. „Esther Saggel | Der Schleim – immer in Bewegung!“ weiterlesen