Verbindung | Rollenschrift Nr. 4

Rollenbild Nr. 4 von 210

Die Mitte finden rechts
links Entscheidungen treffen Abschied nehmen

VERBINDUNG … SEIN …

Es zerreißt mich schier. Was stimmt? Was stimmt nicht? Es fühlt sich schwer an. Das, was da wartet. Wartet, getan zu werden. Es ist immer eine Frage der Sichtweise. Jedes Mal sieht es anders aus. Also muss ich mich erstmal entscheiden, von welchem Blickwinkel aus ich etwas betrachte. Betrachten… Die eine Sicht, einer Theaterbühne gleich: Ein Szenarium, ein amphibisches Wesen, einem Menschen gleich … im ersten Moment ein Störfaktor. Doch dann entpuppt sich das Wesen zum Beobachter der Szenerie.

Festgefahren, Eingeschweißt, Durchgeklebt, STARR

Wortbilder flirren leicht,
ruhend auf einer Wolkenbrise, sanft,
zwischen zwei Polen!

„Total eingeschweißt sind die Augen das einzig Lebende. Sie bewegen sich hin und her. Beinahe gruselig anzusehen. Sie ziehen dich hinein, ganz tief hinein und verschlingen dich. Um mich herum tobt das Meer, doch ich kann mich nicht bewegen. Nur die Augen. Die Sumpfkröte, das Männchen, hat solche Augen: Es sitzt auf einem Blatt im Wasser, bläst brunstig seine Backen auf und seine Augen drehen sich nach allen Seiten. Es macht sich schön, das Männchen. Doch ich finde es gräßlich.“

Braun-Schwarz Grauzone Soldatenhelm:

auf dem verschleierten Kopf eines Mannes die Augen verschlagen niedergeschlagen das Gewehr an der linken Schulter
die braunen Tarnblätter rechtslastige Hieroglyphen

und der Sturm wütet darüber!

Er will nichts wissen von den Wirkungen seines Tuns. Augen zu und durch. Doch es ist gleich, ob er es will oder nicht, er wird nicht gefragt: alles bleibt im Gedächtnis! Das ist das Schlimme: Sich dessen bewusst zu sein, dass es so ist. Es ist gleich, ob er tröge, mit glotzenden, bewegungslosen Augen im braunen Sumpf verharren bleibt, vermeintlich, um zu brunsten. Da sind wir gut drin, im Vermeintlichen, im Illusionieren. Es hilft uns, die Realität zu vergessen, sie zu vermeiden, sie zu ignorieren … ja, mehr noch: Sie zu verleugnen. Denn es ist ja nicht alles so, wie man erzählt, nicht wahr … wie man uns glauben machen will … dieses im doppelten und umgekehrten Sinne. Und deshalb wissen wir auch nicht mehr, wo wir hingehören: Ist das da richtig und gut oder gar das dort? Niemand übernimmt mehr die Führung, weil niemand wirklich führen kann – mal abgesehen von den Möchtegernführern… führungslos bleibe ich doch lieber eingeschweißt, rühre mich nicht vom Fleck –

Ein
Geschwader
Bombenangriffe
aus dem Augenwinkel, dem einzig Lebenden in

Punkt!

dem Gesicht eines Geflüchteten zwei weiße ein schwarzer

Der Prospekt erzählt Geschichten. Wie es sich gehört auf der Bühne. Der Bühne des Lebens. Schicht für Schicht. Jede für sich ein Drama, ohne Kontakt zueinander. Na klar, sonst wäre es ja kein Drama. Sie sehen sich nicht, fühlen sich nicht, bleiben verhaftet in ihrer starren Egozentrik: Hört ihr mich? Hört ihr, wie ich im Sturm über das Kriegsfeld ziehe, die Augen weit geöffnet, Menschen fresse, verschlinge, nach ihrem Aas dürstend jedes Maß verliere? Und ich? Ich hänge! Am Ast eines Baumes. Der Sturm kann mir nichts mehr. Ich habe keine Angst. Mir kann man gar nichts mehr. Das ist der Vorteil des Todes. Er befreit. Man hat nichts mehr zu verlieren. Ich schau zu meinem Kumpel rüber. Auch er, wie ich, tot? Er sagt: Mein Drama ist, dass ich lebe und doch tot bin. Eingesargt. Unfreier kann man nicht sein, oder? Und dann, die ruhig-ruhende Landschaft. Alles akzeptierend dessen, was geschieht. Akzeptierend ja, aber nicht verstehend. Gar nicht verstehend. Die Natur hat den Menschen noch nie verstanden. Wo doch das Verstehen von Haus aus nicht die Natur der Natur ist. Obwohl doch der Mensch Teil von ihr ist. Eben auch … Natur. Nicht wahr? Sie schaut zu. Die Natur. Aktiv, unfatalistisch. Sie weiß, dass ihr Tempo, ihr Prozess gerade nicht dem des Menschen entspricht. Der Mensch will das nicht hören. Er will nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Eine jahrhundertelange bewährte Methode des Ausklinkens. Hier die Aggression, unser Reptilhirn bemüht sich der Offensive. Dort – theatralillusionär – der Rückzug, bleiben wir doch lieber defensiv. Und das alles aus einem einzigen Trieb heraus: dem …

Ü b e r   L E B E N

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