Wie verkaufe ich meine Kunst?

Eine Frage, die wahrscheinlich jeden Kunstschaffenden mindestens einmal in seinem Leben beschäftigt: „Wie mache ich aus meiner Kunst ein lukratives Geschäft, ohne dabei meine Seele zu verkaufen?“
Der unschätzbare Wert der eigenen Schöpfungskraft, soll plötzlich mit so etwas weltlichem wie Geld aufgewogen und bewertet werden  – und sich in eine (Wert-) Schöpfungskette verwandeln. Wo ordnet sich der Erschaffer, der Schöpfer da ein?

„Es ist doch klar, dass ich Kohle will, ohne diese Scheiße, steht meine Welt still! – (es ist doch klar, dass ich dafür kill)“

Beschreibt es der erfolgreiche Rapper Afrob, leicht singend, in seinem Lied  „Ich zähl‘ mein Geld allein im Keller!“ aus dem 2005 erschienenen Album Hammer. Diesem Satz haftet ein hohes Maß an Realismus an, wenngleich doch auch ein Fünkchen Wehmut in der kraftvollen Stimme mitschwingt. Vielleicht ist es der Schmerz der Erfahrung oder der Abhängkeit in einer Welt, die doch ganz real durch finanzielle Adern lebt.

Woher kommt überhaupt die Diskrepanz zwischen zwischen der Kunst und dem lieben Geld? Warum gibt es da scheinbar eine Art Sonderstellung?

Der Handwerker bekommt seinen Stundenlohn, der Politiker seine Diät, der Manager seinen Bonus und der Künstler… interessanterweise ist es einfach nicht leicht, dieses Schaffen in einen richtigen Rahmen zu setzen. Das Verhältnis vom Aufwand zu dem Endpreis einer künstlerischen Leistung in einer, für die Allgemeinheit nachvollziehbaren, Definition zu erklären, gestaltet sich oft als Herausforderung. Welche wirklichen Vergleichsmöglichkeiten stehen zur Vefügung? Der Raum, in welchem Kunst entsteht und gedeiht, entzieht sich nicht selten einer bestimmten Logik. Zwangsläufig kollidiert das nachvollziehbare Verlangen nach Beständigkeit und Verlässichkeit mit dem Chaos und der Unsicherheit. Weltbilder und Glaubenssätze krachen in einem solchen gedanklichen Mikrokosmos aufeinander. Bleibt nur Staub oder entstehen völlig neue Wege?

Über 120.000 Erwerbstätige, über 12 Milliarden Euro Jahresumsatz, elf Teilmärkte, eine Branche: Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat eine hohe wirtschaftliche Bedeutung in Hessen und fördert Innovations- und Zukunftsfähigkeit der Gesamtwirtschaft.

Wenn man diese Zahlen aus dem hessischen Datenreport 2017 betrachtet, kann an diesem Bild des genialen, aber armen Künstlers doch nicht alles stimmen. Auch hier ist die gerechte Verteilung von existierenden Geldern  durchaus ein Thema, aber trotz genannter Zahlen und anderer Zusammenhänge, will ich hier vielmehr einen Anstoß zum Umdenken  gegeben werden – frei von Bedingungen. Was machen Künstler à la Richter und Koons denn anders?  In zahlreichen Lifestyle-Lebensberatungs-Büchern (keine Ironie), sprechen wirklich erfolgreiche Menschen immer davon, das Geld NEUTRAL ist. Abhängig von der eigenen Einstellung bereichert oder beschwert es dich. Wenn die Art des Denkens die größte Rolle spielt (Gesetz der Anziehung, The Secret, Erfolgreich Wünschen und Co), so kann es in der Kunst doch nicht anders sein, oder?

Um aus dem Nähkästchen zu plaudern und Gesicht zu zeigen…
Die Kunst Zygmunt Blazejewskis blickt auf eine durchwachsene und spannende Geschichte zurück. Sie erzählt von großen Werken, wie der Rollenbibliothek ANIMA MUNDI, dem Ludwig II.-Brunnen oder großen Ideen, wie DNAfruit und dem Bewusstsein für das Kollektiv Menschheit. Sie erzählt aber auch von zwei gewaltigen Wasserschäden, vom Glück im Unglück, von vergebenen Chancen und noch zu feiernden Festen. Man kann sie nur im Zusammenhang mit der Familie erzählen – der großen  und der engen – allesamt Künstlerinnen und Künstler. Drum hat die Auseinandersetzung mit der Thematik in diesem Beitrag einen unmittelbar existentiellen Erfahrungswert. Erst extreme Situationen führten letzlich zu einem Neu-Denken und zu einem Neubeginn. Zu einer Änderung der Einstellung.


Man erntet, was man sät – es stimmt!

Doch seit wir selbst gemeinsam behaupten, dass die Kunst Zygmunts wieder eine Rolle spielt und nun mal in diese Welt gehört, manifestieren sich Stück für Stück immer mehr Möglichkeiten. Und sogar vergangene, vermeindlich verpasste, Chancen wandeln sich in Sinnhaftigkeit um und tauchen wieder auf. Wenn auch in kleinen Zeichen: Der Philosoph Bazon Brock begegnete meinem Vater früh in seiner Schaffenszeit und sprach sinngemäß davon, dass ein Künstler arbeiten muss, dass er viele Werke erschafft, dass er üben muss und dann irgendwann – nach vielen Versuchen – dann entsteht ein Meisterwerk. Vielleicht hat er damals auch vom Leben selbst geredet. Meine Eltern Cornelia Hargesheimer und Zygmunt Blazejewski haben im Leben oft an diesen Mann gedacht und seinen Namen genannt – meist in den schwierigen Lebenssituationen. Um so schöner ist es für mich, dass wir nach der Neuzuwendung zur Kunst meines Vaters, zu unserer eigenen Kunst des Schauspiels, der Musik und dem Theater (Ja, wir sind tatsächlich in all den Bereichen als Familie aktiv), einen Beitrag von keinem Geringeren als Bazon Brock auf WDR „finden“, der sich mit dem oben genannten Thema auseinandersetzt:  „Kunst versus Kunstmarkt“

Und vielleicht sind die Gedankengänge der Jahre doch verwandt und in Verbindung geblieben, denn schaut man sich die „Textgenetik“ (eine digitale Bibliothek Brocks verfasster Texte) auf der Website www.bazonbrock.de an, so muss man unweigerlich eine Ähnlichkeit zur Rollenbibliothek meines Vaters anerkennen – und zur Idee der kollektiven DNA:

Quelle: www.bazonbrock.de

Welch schöne und bedeutende Zusammenhänge… versöhnlich und mutmachend zugleich.

Ziel ist es hier gar nicht gewesen, große Antworten zu finden, sondern Euch teilhaben zu lassen an den Themen, die uns beschäftigen. Am Ende geht es in meinen Augen um Bewusstsein. Keine Verurteilung. Eher eine Betrachtung von dem, was ist und dem Mut, das Leben trotz aller Erfahrungen neu zu zeichnen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Apropos Geld & Kunst : Gestern habe ich zwei verkaufte Kunstwerke
aus der Reihe >Structures of Clearing< an glückliche Owners
geliefert… 🙂

Lorris Andre Blazejewski

 

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